Dekontaminierung von Spielgeräten nach COVID-19: Wissenschaftliche Grundlagen und praktische Maßnahmen

Spielplätze und öffentliche Spielgeräte sind nicht nur Orte der Freude, sondern auch potenzielle Quellen für die Verbreitung von Erregern wie SARS-CoV-2. Die Pandemie hat gezeigt, dass kontaminierte Oberflächen – besonders in Gemeinschaftseinrichtungen – eine Rolle bei der Übertragung von Infektionen spielen können. Die Frage nach effektiven Dekontaminierungsmethoden ist daher von zentraler Bedeutung für die Sicherheit von Kindern und Erwachsene. Während Desinfektionsmittel wie Alkohollösungen oder Chlorpräparate in der Haushaltsversorgung weit verbreitet sind, gibt es spezifische Herausforderungen bei der Anwendung auf Spielgeräten, die sowohl mechanische Belastung als auch chemische Verträglichkeit berücksichtigen müssen.

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2021 konnten auf Spielzeugoberflächen wie Rutschen, Schaukeln oder Klettergerüsten bis zu 90 % der nachweisbaren Viruspartikel innerhalb von zwei Stunden durch Standarddesinfektionen reduziert werden. Allerdings variiert die Wirksamkeit je nach Material: Kunststoff und Metall sind deutlich anfälliger für chemische Einwirkungen als Holz oder beschichtete Metallteile. Besonders problematisch sind zudem Nischen, Rillen und Oberflächen mit Mikrorissen, die sich durch die Bewegung von Spielern verschlechtern und die Kontamination verschärfen.

Wissenschaftliche Empfehlungen für die Praxis

Die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Umweltmedizin (DGUM) empfiehlt eine Kombination aus regelmäßiger Reinigung und gezielter Desinfektion. Während Reinigungskräfte täglich Oberflächen mit feuchtem Tuch oder Seifenlösung abwischen sollten, kommen bei der Desinfektion spezielle Mittel für Spielgeräte zum Einsatz. Hier spielen Alkohole mit einer Konzentration von 70–80 % eine zentrale Rolle, da sie nicht nur Viren abtöten, sondern auch keine bleibenden Rückstände hinterlassen. Studien des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zeigen, dass Alkoholdesinfektionsmittel bei einer Anwendung auf Kunststoffoberflächen eine Virusreduktion von 99,9 % erreichen können – vorausgesetzt, die Oberfläche ist vorher gründlich von Schmutz befreit.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Dokumentation der Maßnahmen. Die DGUM rät dazu, eine Protokollierung zu führen, die beschreibt, welche Geräte wann und mit welchem Mittel behandelt wurden. Besonders in Kindergärten und Schulen ist dies wichtig, um Rückschlüsse auf die Wirksamkeit zu ziehen und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Ein Beispiel hierfür ist die regelmäßige Überprüfung von Spielgeräten nach Regenfällen oder nach längeren Stillstandszeiten, da Feuchtigkeit die Virusstabilität erhöht und die Desinfektion erschwert.

  • Nachweisbare Viruspartikel auf Spielgeräten können innerhalb von 24 Stunden durch Alkoholdesinfektion um bis zu 99,9 % reduziert werden.
  • Holz- und beschichtete Metallteile vertragen chemische Mittel besser als unlackierte Oberflächen.
  • Die DGUM empfiehlt eine Kombination aus täglicher Reinigung und wöchentlichen Desinfektionsrunden.
  • Alkohole mit 70–80 % Konzentration sind die wirksamsten Mittel für Kunststoff- und Metallgeräte.
  • Feuchtigkeit und Schmutz vor der Desinfektion erhöhen die Wirksamkeit um bis zu 30 %.

Herausforderungen und praktische Lösungen

Trotz wissenschaftlicher Empfehlungen gibt es praktische Hürden bei der Umsetzung. Viele Spielplätze sind durch ihre Struktur – etwa durch scharfe Kanten oder schwer zugängliche Bereiche – schwer zugänglich. Hier helfen spezielle Reinigungsgeräte, wie Hochdruckreiniger mit rotierenden Bürsten, die auch schwer zugängliche Stellen effektiv erreichen. Eine weitere Herausforderung ist die Akzeptanz der Bevölkerung: Viele Eltern und Betreiber fürchten, dass Desinfektionsmittel die Spielgeräte beschädigen oder unangenehme Gerüche hinterlassen. Um dies zu vermeiden, sollten Mittel mit neutralem Geruch und ohne schädliche Rückstände gewählt werden.

Ein innovatives Ansatzmodell zeigt, wie diese Probleme gelöst werden können: In einigen deutschen Städten wurden seit Beginn der Pandemie spezielle „Hygienestation“ eingerichtet, in denen Spielgeräte vor Ort gereinigt und desinfiziert werden. Diese Stationen sind mit mobilen Geräten ausgestattet, die auch schwer zugängliche Bereiche erreichen, und bieten Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder nach der Nutzung der Spielplätze sicher abzulegen. Ein Beispiel hierfür ist die „Spielplatzhygiene-Kampagne“ in München, die seit 2021 regelmäßig an ausgewählten Spielplätzen durchgeführt wird.

Zukunftsperspektiven: Neue Technologien und Materialien

Die Forschung arbeitet an innovativen Lösungen, die die Dekontaminierung von Spielgeräten weiter verbessern sollen. Eine vielversprechende Entwicklung sind selbstdesinfizierende Oberflächen, die durch die Aufnahme von Silberionen oder durch UV-C-Licht Viren abtöten. Diese Technologien könnten in Zukunft in Spielgeräten integriert werden, um eine kontinuierliche Reduktion der Viruslast zu gewährleisten. Ein weiteres Potenzial liegt in der Entwicklung von Desinfektionsmitteln, die spezifisch auf die Materialien der Spielgeräte abgestimmt sind und keine Rückstände hinterlassen.

Ein konkretes Projekt ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsvorhaben „SafePlay“. Dabei werden verschiedene Materialien und Desinfektionsmethoden getestet, um langfristig eine nachhaltige Lösung für die Hygiene in Spielbereichen zu finden. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits heute durch die Kombination aus regelmäßiger Reinigung, gezielter Desinfektion und der Nutzung moderner Technologien ein deutlich reduziertes Infektionsrisiko erreicht werden kann. Die nächsten Schritte liegen nun darin, diese Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen und die Akzeptanz der Bevölkerung zu steigern.

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